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Editorial Die Wege Gottes und derWissenschaft Die Lehrerin und Pfarrersfrau Sharon Lemburg ist überzeugt: „Gott wollte diesen Kurs“. „Philosophy of Design“ hieß die Veranstaltung, die sie an der Frazier High School im kalifornischen Lebec anbot. Dort propagierte Lemburg die Entstehung des Lebens durch Einwirkung eines höheren Wesens und stellte die Evolutionstheorie in Frage. Einige Eltern waren mit dem Stoff allerdings nicht einverstanden und reichten Klage ein. Sie sahen in dem Kurs einen Verstoß gegen die Trennung von Kirche und Staat, wie sie in der US-Verfassung garantiert ist. Zur gerichtlichen Einigung kam es im Januar, als sich die Schule bereit erklärte, den Kurs umgehend abzubrechen. Auch in Zukunft soll es dort weder Lehrveranstaltungen mit kreationistischem Hintergrund geben noch solche, welche die „wissenschaftliche“ Kreationismus-Variante Intelligent Design (ID) verbreiten. Stellvertretend für die Eltern hatte die Organisation „Americans United for Separation of Church and State“ die Klage eingereicht. Die Vorsitzende Ayesha N. Khan erhofft sich von der Entscheidung eine Signalwirkung: „Dieses Urteil wird allen amerikanischen Schuldistrikten signalisieren, dass sie Kreationismus nicht einfach als Alternative zur Evolutionslehre unterrichten können.“ Es ist nicht der erste Erfolg für die Organisation. Schon im Dezember hatte sie durch eine Gerichtsentscheidung erreicht, dass Intelligent Design aus dem Biologie-Unterricht der weiterführenden Schulen in Pennsylvania verschwindet. Deshalb mag es auf den ersten Blick überraschen, dass auch das ID-orientierte Discovery Institute das kalifornische Unterrichtsprojekt kritisierte. Der Kurs sei zu stark an der Bibel orientiert, so die Einrichtung, die zwischen den beiden evolutionskritischen Strömungen große Unterschiede sieht. ID beschäftige sich nicht mit der Identität des Schöpfers oder dem Alter der Erde, sondern arbeite ausschließlich mit empirischen Daten, behauptet das Discovery Institute. Eine empirisch-wissenschaftliche Schöpfungsforschung haben sich auch einige deutsche Evolutionsgegner auf ihre Fahnen geschrieben – obwohl sie den selbst gestellten Anspruch nicht einlösen können. Weshalb, das zeigt Martin Neukamm am Beispiel des so genannten Grundtypmodells (S. 144 – 150 in diesem Heft). Mit diesem Modell versuchen Kreationisten, direkte Evolutionsbelege in das eigene Erklärungsschema einzupassen. Demnach habe der Schöpfer angeblich eine Reihe von Stammarten mit „programmiertem“ Variationspotenzial erschaffen, aus denen allmählich die heutige Arten- und Formenvielfalt hervorgegangen sei. Beispielsweise wären alle Hundeartigen, vom Schakal bis zum Haushund, auf einen seinerseits durch einen Schöpfungsakt entstandenen „Ur-Caniden“ zurückzuführen. Aber auch wenn eine Grundtyp-Forschung in gewissem Umfang möglich ist, lässt sich darauf dennoch keine Schöpfungsforschung aufbauen. Denn die kreationistischen Hilfshypothesen sind gerade so gewählt, dass sie ein bestimmte Schöpferbild stützen – das sie aber gerade belegen sollen. Sicher, mit Einführung einer übernatürlichen Instanz lässt sich jeder Sachverhalt „erklären“, allerdings ohne wissenschaftlichen Erkenntnisgewinn. Anders in der gelebten Religion: „Gottes Wege sind unergründlich“, so fasst etwa der Volksmund eine Passage aus dem Römerbrief des Paulus zusammen, und viele Gläubige finden darin Trost: Selbst Schicksalsschläge, so sinnlos sie dem Menschen auch erscheinen mögen, sind dennoch von einem letztlich wohlwollenden höheren Wesen geplant, so die Vorstellung. Als Argument in einem wissenschaftlichen Diskurs aber kann die Idee vom Schöpfer nicht bestehen.
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