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Editorial Ein Jubiläum,das nachdenklich stimmt 250 Jahre sind seit der Geburt von Samuel Hahnemann im Jahr 1755 vergangen. Die Homöopathie, die er später als Lehrgebäude schuf, beschäftigt uns noch heute. Was waren das für Zeiten, Mitte des 18. Jahrhunderts? Einerseits war es die Epoche von Aufklärern wie Hume, Kant und Voltaire. Andererseits aber war der Glaube an eine „Lebenskraft“, der Vitalismus, noch Teil der Orthodoxie. Man ahnte vielleicht etwas von der Bedeutung von Hygiene für die Gesundheit, aber noch wusste man nichts über die Rolle von Viren und Bakterien bei der Entstehung von Krankheiten. In dieser Zeit meinte Hahnemann, Krankheiten seien „Verstimmungen der Lebenskraft“ und müssten dementsprechend behandelt werden. Angesichts des damaligen Forschungsstandes war eine solche These möglicherweise noch plausibel. Schließlich war noch nicht einmal klar, dass organische Stoffe synthetisch und ohne „Lebenskraft“ hergestellt werden können. Hahnemann glaubte denn auch, für die Entstehung von Krankheiten seien „Miasmen“ verantwortlich, also üble Gerüche, Verunreinigungen oder Bodenausdünstungen. Die Entwicklungen in der Medizin und in der Wissenschaft allgemein haben diese Vorstellungen längst widerlegt. Heute kennen wir die Entstehung von Krankheiten so gut, dass in vielen Fällen gezielte Therapien entwickelt werden können. Daher ist es längst überfällig, die Homöopathie ad acta zu legen, wie so viele andere überholte Hypothesen. Wieso aber ändern alle Einwände gegen die Homöopathie nichts an ihrer Popularität? Warum beginnen gerade jetzt Krankenkassen damit, die Homöopathie in ihren Leistungskatalog aufzunehmen? Weshalb geben Prominente glühende Bekenntnisse zur Homöopathie ab? Warum hat es keinen Effekt auf die öffentliche Meinung, wenn eine umfangreiche Vergleichsstudie erneut die Unwirksamkeit der Homöopathie aufzeigt? Aus meiner Sicht spielen hier drei Faktoren eine wichtige Rolle. Erstens ist den meisten Menschen nicht bekannt, welches Lehrgebäude hinter dem Begriff Homöopathie steckt: Sie wird oft mit „sanfter Pflanzenmedizin“ und Naturheilkunde verwechselt. Zweitens setzen die Homöopathen immer wieder auf die Unterstützung durch Prominente sowie Vertreter von Adel und Politik – insbesondere solche, die nicht viel von Wissenschaft verstehen. Drittens profitieren sie von einer verfehlten allgemeinen Einstellung zur Wissenschaft und zur wissenschaftlichen Medizin. Die Erkenntnisse der Forschung sind lückenhaft, heißt es da immer wieder. Tatsächlich müssen wir eingestehen, dass wir vieles noch nicht wissen und für manche Krankheiten keine wirksame Therapie kennen. Aber das ist kein Grund zur Resignation, sondern vielmehr ein Ansporn zu weiteren Forschungen. Wir wollen die Welt besser verstehen, auch, um unser Leben zu erleichtern und anderen helfen zu können. Der 250. Geburtstag Hahnemanns bietet somit auch für Skeptiker einen Anlass, aktiv zu werden – auch wenn wir damit gegen den Strom der (unaufgeklärten) öffentlichen Meinung schwimmen. Die hervorragenden Beiträge in dieser Ausgabe und die vielen Informationen auf unserer Webseite können dabei behilflich sein. Erklären wir der Allgemeinheit, angefangen bei unseren Bekannten, Freunden und Verwandten, was die Homöopathie wirklich ist! Bereits diese elementaren Informationen müssten vielen klar machen, dass die Homöopathie etwas ganz anderes ist, als sie bisher geglaubt haben oder als man ihnen eingeredet hat. Weisen wir auf das hervorragende neue Buch „Die Andere Medizin“ hin! Eine der Autorinnen, Krista Federspiel, hat auch für dieses Heft einen Beitrag verfasst. Gleichzeitig sollten wir zeigen, dass unsere Kritik, so vernichtend sie für die Homöopathie auch sein mag, insgesamt konstruktiv wirkt, indem sie hilft, die Welt besser zu verstehen. Wir wollen schließlich nicht um jeden Preis Recht behalten, sondern durch Wissenschaftlichkeit und kritisches Denken dazu beitragen, dass Patienten die bestmögliche medizinische Behandlung erhalten, statt im irrigen Vertrauen auf die Homöopathie und andere magischokkulte Verfahren notwendige Therapien zu versäumen.
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